Es ist wichtig, sich im Freien aufzuhalten

Wir halten es für selbstverständlich, dass wir nach draußen gehen können, wann immer wir wollen, um frische Luft, Sonnenlicht, Pflanzen und Bäume zu genießen. Wir fühlen uns dadurch besser und erholt von den Belastungen des Alltags. Menschen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen und vor allem Demenzerkrankte haben jedoch nicht allzu oft die Möglichkeit, sich im Freien aufzuhalten. Es bedarf geeigneter Flächen, auf denen sie sich selbständig bewegen können, oder genügend Personal, das sie ggf. begleitet.

Es ist wichtig, sich im Freien aufzuhalten

Studien zeigen, dass der Aufenthalt im Freien für unsere körperliche und geistige Gesundheit unerlässlich ist.

Vitamin D ist von entscheidender Bedeutung für den Aufbau starker Knochen und Muskeln. Ein Vitamin D-Mangel kann neben einer Rachitis, also einer krankhaften Veränderung der Knochensubstanz, auch mit einem erhöhten Risiko von Malignomen sowie schweren chronischen, entzündlichen und Autoimmunerkrankungen einhergehen. Dieser Mangel ist vor allem auf zu wenig direkte Sonneneinstrahlung zurück zu führen. Selbst an einem bedeckten Tag kann das Tageslicht bei der Regulierung unserer inneren Uhr und damit des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus helfen.

Sich im Freien aufzuhalten hat mehrere positive Effekte: Wir bewegen uns an der frischen Luft und profitieren ganz nebenbei von Sonnenschein und Tageslicht. Studien haben gezeigt, dass sich Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen mit Demenz deutlich verbessert haben, wenn sie sich mindestens 10 – 15 Minuten am Tag aktiv im Freien beschäftigt haben. Spaziergänge in der Natur reduzieren Stress, stärken das Selbstwertgefühl und befördern Aktivität, Geselligkeit und den Kontakt mit der Natur - ein Spaziergang in einem Einkaufszentrum mag eine deutlich geringere Verbesserung der Stimmung zeigen!

Weitere Untersuchungen haben deutlich gemacht, dass ein regelmäßiges Gedächtnistraining von noch größerer Bedeutung für Demenzkranke ist. Es kann dem kognitiven Verfall vorbeugen oder ihn zumindest verlangsamen. Auch eine höhere Fitness kann hierzu beitragen: regelmäßige Bewegung führt zu einem größeren Volumen des Hippocampus, einem Teil des Gehirns in dem Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammenfließen. Seine Funktion ist zentral für die Gedächtnisleistung eines Menschen. Ein größeres Volumen bedeutet daher eine bessere räumliche Gedächtnisfunktion. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge, tragen mindestens drei geplante Spaziergänge pro Woche bei Menschen mit Alzheimererkrankung zu einer deutlichen Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit bei. Darüber hinaus unterstützt Tageslicht auch die Minderung der kognitiven und nicht-kognitiven Symptome der Demenz.

Viele Menschen in Europa leiden unter einer Saisonal Adaptiven Depression (SAD), auch „Winterdepression“ genannt, die mit einem Mangel an Sonnenlicht in den Wintermonaten verbunden ist. Sue Pavlovich von der Seasonal Affective Disorder Association (UK) rät, dass wir zur Vorbeugung:

  1. Aktiv bleiben: Die Forschung hat gezeigt, dass täglich ein einstündiger

Spaziergang in der Tagesmitte so hilfreich sein kann wie eine Behandlung mit künstlichem UV-Licht, um mit einer Winterdepression zurecht zu kommen.

  1. Draußen sein: Bewegen Sie sich gerade in der Mittagszeit und an besonders hellen Tagen so viel wie möglich im Freien.

Es gibt so vieles, das wir auch außerhalb von Gebäuden tun können - Aktivitäten wie Eintopfen, Pflanzen, Graben, Baumschnitt, das Ernten von Gemüse oder Früchten oder auch die Betreuung von Tieren wie Hühnern oder Kaninchen. Es gibt eine solche Zufriedenheit Dinge zu sehen, die durch unsere eigene Arbeit wachsen. Und für diejenigen, die weniger aktiv sein können, kann das Zuschauen, das Beobachten von Licht- und Schattenspielen, der Wolken, des Wachstums von Pflanzen und der Tierwelt ebenso gut tun. Im Freien zu essen oder eine Zeitung zu lesen, weil das Licht draußen so viel besser für alte Augen ist, eine Tasse Tee oder eine Unterhaltung zu genießen oder auch mal ganz allein zu sein – das alles sind Dinge, die lebensbejahend sind, aber wenig oder gar nichts kosten. Man braucht nur einen sicheren und geschützten Garten mit Sitzplätzen und Beschäftigungsmöglichkeiten, und dazu einen einfachen und gut sichtbaren Weg in den Garten und wieder zurück ins Gebäude.

Kurz gesagt gibt es nichts Besseres als einen schönen Tag im Freien zu verbringen – das tut uns allen gut, ganz besonders aber auch Menschen mit Demenz, für die nicht mehr viele Möglichkeiten offen bleiben.